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Donnerstag, 23. April 2009

Cindy Sherman - Rebellion und Reflexion

Schön sind sie nicht gerade, die fotografischen Porträts mit denen die US-Fotografin Cindy Sherman gegen Schönheitsideale und Rezeptionsgewohnheiten gleichermaßen rebelliert. Dafür eröffnen sie dem aufgeschlossenen Betrachter die Möglichkeit, die eigenen Betrachtungsgewohnheiten konsequent zu hinterfragen. Nicht selten entdeckt so mancher aufgeklärte Wohlstands-Westler dabei, dass auch seine Herangehensweise auf kulturellen Konfigurationen beruht, die sich seiner bewussten Reflexion bislang entzogen haben. Begriffe wie "schön", "hässlich" oder "sexy" entpuppen sich dabei als Worthülsen, deren Semantik in kulturellen Interaktionsprozessen immer wieder neu festgelegt wird. Ganz im Post-Strukturalismus verwurzelt, machen Shermans Fotografien auf diese Bedeutungsveränderungen aufmerksam und betonen so letztendlich auch die Macht des Subjekts als Bedeutungsproduzent: Schön ist, was wir als schön bezeichnen. Am Ende steht die Utopie der Befreiung von den starren Schönheitsidealen der post-modernen Welt.

Weniger ungemütlich, aber keineswegs von geringerer analytischer Schärfe sind die als Untitled Film Stills bezeichneten Aufnahmen. Sherman posiert hier in Fotografien, die wie Standbilder aus Hollywood-Filmen wirken. Hitchcock, Kubrick, Nouvelle Vague sind die ersten Assoziationen. Betrachtet man die Fotografien, spult sich vor dem inneren Auge die aus zahlreichen Kino-Klassikern bekannten Handlungslinien ab. Und mit den klassischen Plot-Strukturen evozieren die vertrauten Szenerien auch die klassischen Charakterzeichnungen und Rollenmuster. Shermans Methode ist hier die einer cross-medialen Analyse: Fotografie untersucht Film. Wie nebenbei führen die Fotografien hier die Konventionen des narrativen Kinos vor und halten dem Betrachter erneut seine Rezeptionsgewohnheiten vor Augen.


Dienstag, 14. April 2009

Richard Avedon - Porträt und Reportage

US-Fotograf Richard Avedon (1923-2004) ist vielen in erster Linie für seine Porträts bekannt. Vor allem für seine Serie In the American West sowie seine zahlreichen Fotografien prominenter Künstler ist er zu Recht auch heute noch viel gerühmt. Das die Aufnahmen in der Tat eindrucksvoll sind, kann man am Porträt Pablo Picassos sehen. Noch beindruckender sind aber in vielen Fällen Avedons Reportage-Fotografien. Als Beispiel dafür dient vor allem sein Portfolio aus dem Louisiana State Mental Hospital von 1963.

Wenige Aufnahmen sind in der Lage, so eindrucksvoll zu verdeutlichen, dass Fotografie zwar einerseits ein penetrierendes Medium ist, dass in die Privatsphäre der Fotografierten eindringt, andererseits aber auch das Potenzial besitzt, mitfühlend und empathisch das Leid der abgelichteten Personen einzufangen. Und zugleich Sozialkritik zu üben. Denn wenn Avedons Portfolio eines entblößt, dann nicht die Hilflosigkeit der Patienten, sondern die katastrophalen Zustände in dem vermeintlichen Sanatorium. Die Aufnahmen sind damit vor allem eindrucksvolle Nachweise der ästhetischen Kraft und der gesellschaftlichen Relevanz des Mediums Fotografie.